Wie funktioniert die Datenerhebung beim Fußball?

Was vor 20 Jahren noch undenkbar war, rückt mittlerweile immer weiter in den Fokus der Öffentlichkeit. Bei jedem Fußballspiel werden umfangreiche Datenmengen erhoben und schließlich weiterverarbeitet, aufbereitet und verschiedenen Interessenten zur Verfügung gestellt. Doch wie funktioniert das eigentlich und wer profitiert am Ende von ihnen?

Wie viele Ballaktionen wohl ein beliebiger Spieler hat?

Taktik beim Fußball
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Daten und noch viel mehr Daten: So sieht der Samstagnachmittag in einem Raum in Unterföhring aus, wo Mitarbeiter sich alle gleichzeitig stattfindenden Spiele aus der Fußball Bundesliga angucken. Mit zwei Bildschirmen pro Angestelltem soll niemandem eine wichtige Szene auf dem Spielfeld entgehen. Hier ist das Unternehmen Opta beheimatet, dessen Daten in der Fußballwelt einen wichtigen Faktor in Berichterstattung sowie innerhalb der Klubs darstellen.

Einer der Hauptkunden von Opta ist Sky, das den Großteil der Bundesliga-Rechte am deutschen Markt besitzt. Seit 2009 arbeiten der Konzern mit dem Datendienst zusammen, der auf die unterschiedlichsten Menschen zur Datenerhebung setzt. Neben Studenten sind diverse hauptberufliche Barkeeper oder Banker am Werk, die sich einfach gerne mit dem Fußball auseinandersetzen.

Es handelt sich dabei laut des Projektleiters Raphael Reiners um die Grundvoraussetzung, im Job bestehen zu können. Vielen erscheine die Arbeit in den ersten 100 Stunden zu komplex, ehe sie sich langsam an sie gewöhnen. Die aufgenommenen Daten eines Zweierteams werden live an die verschiedenen Redaktionen weitergegeben, die sich die Datenrechte gekauft haben.

Weitere Kunden sind zum Beispiel Wettanbieter, bei denen oftmals eine Live-Grafik auf der Website wiedergibt, was auf dem Rasen geschieht. Bei Fußball-Wetten ist das jederzeit besonders wichtig, um zum Beispiel die Live-Quoten eines Spiels festzulegen. Dass Bayern München etwa im DFB-Pokalfinale eine Siegchance von 1,28 (Stand 6. Mai) zugerechnet wird, hat vor allem statistische Gründe.

Job erfordert höchste Konzentration

Sitze im Stadion
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Dass es solange dauert, bis der Job als Datenanalyst beherrscht wird, hängt vor allem mit der großen Datenmenge zusammen, die im Fußball zustande kommt, und der Unberechenbarkeit der Szenen auf dem Platz zusammen. Keiner weiß im Voraus, ob im nächsten Moment ein Fehlpass oder der Torschuss folgt. Hier auch bei schnellen Spielen abzuliefern, liegt in der Verantwortung der Analysten.

Nebenan werden Statistiken aufbereitet, nach Besonderheiten durchsucht und sodann an Fachzeitschriften und TV-Kommentatoren weitergeleitet. Vergleichen lassen sich die Ligaspiele und Champions League leider noch nicht. Das liegt daran, dass viele unterschiedliche statistische Systeme im Einsatz sind, die technisch und vom Aufwand her nicht auf dem gleichen Niveau agieren.

Das ändert nichts daran, dass die Beteiligten insgesamt von den Daten profitieren. Was damals mit Torschüssen, Pässen und Flanken bescheiden begann, hat sich aktuell weit fortentwickelt. Sogar die Wahrscheinlichkeit eines Treffers aus einer beliebigen Position auf dem Spielfeld kann schon berechnet werden. Entsprechend lassen sich Spiele mit den Daten vorhersagen, auch wenn es am Ende nicht immer zur Realität wird.

Ein weiteres Beispiel ist das bei der Europameisterschaft 2016 berühmt gewordene Packing, das überspielte Gegenspieler und Verteidiger analysierte. Dass diese Analyse viel tiefer geht als im TV gezeigt, ist angesichts der Komplexität der Angelegenheit fast logisch.

Die Datenanalyse ist ein immer wichtigerer Teil des Fußball-Business. Neben Medien nutzen Klubs, Verbände und weitere Interessenten die angebotenen Services, die im Umfang stets wachsen. Die Zukunft bringt mit Sicherheit noch viele spannende Entwicklungen mit sich.

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